02.02.2009

Wofür eigentlich Daten schützen?

Wenn ich mich mit Kollegen oder Freunden über das Thema Datenschutz unterhalte, bekomme ich häufig die Frage gestellt, warum man seine Daten eigentlich schützen solle. "Ich habe mir doch nichts vorzuwerfen. Lass sie doch meinen Fingerabdruck (oder meine Einträge ins Bundeszentralregister oder meine Punkte in Flensburg oder meine Einkaufsgewohnheiten oder oder oder) speichern."

Standardmäßig antworte ich, dass durch die schiere Menge an Daten, die über einen Menschen verfügbar ist, dieser "durchsichtig" wird - so könnte mithilfe von flächendeckend installierten Überwachungskameras, Kredit- oder "Payback"-Kartendaten etc. ein detailliertes Bild des einzelnen entworfen werden.

Erschreckend ist es dennoch auch für mich, was die französische Datenschutzaufsicht CNIL (Commission Nationale de l'Informatique et des Libertés) nach einer Meldung von heise online berichtet:

Die französische Polizei speichert seit Jahren Daten über Verbrechen in der so genannten "STIC-Datenbank" - und zwar nicht nur Daten über die Täter, sondern auch über die Opfer von Verbrechen. Gespeichert sind hierin mittlerweile Daten von ca. der Hälfte der französischen Bevölkerung!

Fehler in der Datenbank hätten dazu geführt, dass ca. 1 Million (in Zahlen: 1.000.000) Menschen in Gefahr waren, aus ihren Arbeitsverhältnissen entlassen zu werden oder diese erst gar nicht anzutreten.

Denn die Datenbank darf nicht nur für polizeiliche Zwecke abgerufen werden, sondern auch "zu administrativen Zwecken, und zwar, wenn es um Einstellungen in den verschiedensten gefahrgeneigten Berufszweigen geht:
"Le STIC possède une deuxième fonction: il est aussi un instrument d’enquête administrative. [...] il peut être consulté à l’occasion du recrutement, de l’agrément ou de l’habilitation des personnels de professions très diverses. Ainsi en est-il des personnels de surveillance et de gardiennage, des personnes souhaitant travailler dans les zones aéroportuaires ou des agents de police municipale, des gardes champêtres ou des préfets, ambassadeurs, directeurs et chefs de cabinets des préfets, magistrats, etc. Au total, la consultation du STIC à des fins d’enquête administrative est susceptible de concerner aujourd’hui plus d’un million d’emplois."
Heise online spricht hier davon, dass sogar 1 Million Menschen bereits entlassen wurden bzw. ihren Job nicht antreten durften - meines Erachtens steht im Bericht, den es nur auf französisch gibt (pdf), dass diese Anzahl aufgrund von Abfragen aus der Datenbank potentiell von Fehlern in der Datenbank betroffen sind ("plus d’un million de personnes sont potentiellement dans cette situation.", siehe den Bericht auf S. 16).

Dennoch ist diese Zahl erschreckend - und vielleicht auch geeignet, meinen oben genannten Kollegen und Freunden ein wenig Stoff zum Nachdenken zu geben...

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