21.07.2009

Schöne Schlagzeile: verschwundene E-Books, Big Brother und das Problem mit den Lizenzen


Schöne neue Welt, in der man ein elektronisches Buch kauft und der Verkäufer es einem kurze Zeit später einfach so wieder aus dem Speicher "klaut". Davon handelt die heutige Ausgabe der schönen Schlagzeilen.

Genauer gesagt:

Der Verkäufer ist Amazon.

Gekauft wurden digitale Exemplare von Orwells Romanen "1984" und "Animal Farm" - bzw. nicht näher definierte Lizenzen an diesen digitalisierten Werken für den Kindle.

Und "geklaut" wurde im besten Wortsinne eigentlich nicht: Die Nicht-nur-Bücher-Versender bei Amazon mussten nur feststellen, dass sie offensichtlich selbst keine Lizenz zum Lizenzieren hatten. Also stahlen sie sich heimlich auf die E-Book-Reader (Kindles) ihrer Kunden und nahmen sich dort, was diesen ohnehin nicht gehörte.
(Zumindest im deutschen Recht kann man an immateriellen Werken, und das sind elektronische Bücher eben, nicht gutgläubig Eigentum erwerben - die Kunden hatten also für ein Recht gezahlt, das weder Amazon noch ihnen zustand...)

Immerhin hat Amazon den Kunden den Preis für die Bücher wieder erstattet. Aber das macht es dann doch nicht wett, zumal möglicherweise gesetzte Lesezeichen oder Notizen der Aktion ebenso zum Opfer fielen.

Dass gerade die beiden Bücher von Orwell betroffen waren, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Und viele Journalisten haben auch versucht, das mit in die Überschrift zu packen. Von "Big Brother im Bücherschrank" (Frankfurter Rundschau) bis "Orwell'scher DRM-Sündenfall"(netzwertig.com) reicht die Palette.

Der heutige Gewinner, die Frankfurter Allgemeine, hat den Autor auch in die Überschrift gepackt: "Orwells Rache" titelt die Zeitung im Feuilleton-Kommentar - und das ist schon ganz gut.

Besonders angetan hat´s mir dann aber der erste Satz des Artikels, der wunderbar um die Ecke geht, bevor er mitten ins Ziel trifft:

"Es ist leichter, ein Buch zu behalten, als das, was darin steht – meistens jedenfalls."

Herzlichen Glückwunsch für diesen Geistesblitz, Felicitas von Lovenberg.

Update 22.07.2009:
Zum ganzen Thema gibt es auch noch einen interessanten und lesenswerten Artikel bei Spiegel Online: "Blackberry, iPhone, Kindle und co. - Wie uns Gadgets an Konzerne fesseln".

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