02.10.2009

Bildung ist teuer: Amazon zahlt 150.000 Dollar für eine Hausaufgabe

Der Fall hatte es als Schöne Schlagzeile schon mal in dieses Blog geschafft:

Amazon löschte ohne vorherige Ankündigung und über einen so genannten "Kill Switch" einfach Bücher - unter anderem George Orwells "1984" - von den elektronischen Lesegeräten (Kindle) ihrer Kunden. Die Kunden hatten dafür ordnungsgemäß gezahlt, jedoch hatte Amazon offenbar vor dem Verkauf nicht die Lizenzen hierfür erworben. Den Kunden wurde dann der Preis zurückerstattet.

"Es ist leichter, ein Buch zu behalten, als das, was darin steht – meistens jedenfalls" schrieb die FAZ damals. Was darin steht ging aber über den reinen Text des Buches hinaus, jedenfalls im Falle des amerikanischen Schülers Justin Gawronski. "1984" war nämlich seine Schullektüre, und er nutzte die technischen Möglichkeiten des Kindle, Randnotizen zu machen, offenbar weidlich aus. Nach der Löschaktion waren die Notizen zwar noch da - jedoch ohne Textbezug und damit wertlos.

Der Schüler verlangte von Amazon Schadensersatz und verklagte den Buchversender, meldet Spiegel Online. Dieser verzichtete jetzt auf ein Urteil und zahlte ihm und der von ihm beauftragten Anwaltskanzlei aufgrund eines Vergleichs die unglaubliche Summe von 150.000,- US$.

Bildung scheint in den USA also doch eine ganze Menge wert zu sein...

Aber Amazon ging noch weiter und verpflichtete sich, in Zukunft nicht mehr einfach so Daten von den Lesegeräten seiner Kunden zu löschen.

Das Online-Magazin TechFlash aus Seattle veröffentlichte den - auf die USA begrenzten - Vergleich auf seiner Seite. Und der liest sich dann so:
Amazon will not remotely delete or modify such Works from Devices purchased and being used in the United States unless
  1. the user consents to such deletion or modification;
  2. the user requests a refund for the Work or otherwise fails to pay for the Work (e.g., if a credit or debit card issuer declines to remit payment);
  3. a judicial or regulatory order requires such deletion or modification; or
  4. deletion or modification is reasonably necessary to protect the consumer or the operation of a Device or network through which the Device communicates (e.g., to remove harmful code embedded within a copy of a Work downloaded to a Device).
[Amazon wird also keine ferngesteuerten Lösch- oder Änderungsaktionen mehr durchführen, außer wenn
  1. der User zustimmt,
  2. der User nicht gezahlt hat oder sein Geld zurück will,
  3. ein Gericht oder eine Behörde dies anordnet oder
  4. Sicherheitsgründe es nötig machen (etwa, wenn das Werk virenverseucht ist).]
Der Nachteil elektronischer Bücher gegenüber den Papierausgaben, dass eben nicht das Produkt an sich, sondern lediglich ein Recht daran gekauft wird und dass die Daten eben nicht manipulationssicher sind, verringert sich so ein wenig - zumindest theoretisch. Wobei davon auszugehen ist, dass Amazon und auch andere Hersteller von E-Books wahrscheinlich in Zukunft etwas vorsichtiger vorgehen und die Rechte ihrer Kunden besser achten werden. Denn 150.000 $ sind zwar nicht die Welt für den Konzern, aber doch wohl etwas mehr, als in der Portokasse liegt...

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