Während man 2008 trotz bereits beginnender Wirtschafts- und Finanzkrise noch von einem „ruhigen Jahr“ für das Insolvenzgericht sprechen konnte, hat sich die Krise mit der erwarteten Verzögerung im Jahr 2009 in der Statistik deutlich niedergeschlagen. Das Amtsgericht Mannheim verzeichnete eine Steigerung der Eingänge um 25 % gegenüber 2008 auf ein Rekordniveau von 674 (Firmeninsolvenz-) bzw 877 (Verbraucherinsolvenz-) Anträgen.
Nach Einschätzung der Insolvenzrichter sind vor allem Unternehmen u. a. aus dem Speditions- und Logistikbereich sowie IT-Unternehmen betroffen. Deren Auftraggeber sind selbst in Schwierigkeiten geraten, langjährige Geschäftsbeziehungen wurden beendet. Auch Verbraucher, die in den letzten Monaten arbeitslos geworden sind und ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, beantragen Insolvenz.
Der Bestand an Insolvenzverfahren insgesamt ist im Jahr 2009 auf einen historischen Höchststand von 5.477 Verfahren angewachsen. Über die Hälfte der Verfahren (3.093) befinden sich in der sogenannten „Wohlverhaltensperiode“. Wer über sechs Jahre regelmäßig Zahlungen nach seinen Möglichkeiten leistet, wird von der Restschuld befreit.
Ausblick:
Es ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sich auch weiterhin in den Fallzahlen in der Insolvenzabteilung widerspiegeln. Im traditionell eingangsschwachen Januar 2010 ist im Vergleich zum Vorjahr eine Verdoppelung bei den Regelinsolvenzverfahren (67/35) festzustellen.
Durch eigene organisatorische Umstrukturierungsmaßnahmen zur Optimierung der Verfahrensabläufe bereitet sich die Insolvenzabteilung für den zu erwartenden weiteren Ansturm vor. Den detaillierten Jahresbericht 2009 (pdf) finden Sie auf der Seite des Insolvenzgerichts unter „Aktuelles“.
11.02.2010
Presseerklärung des Amtsgerichts Mannheim: Finanzkrise erreicht Insolvenzgericht
Pressemeldung des Amtsgerichts - Insolvenzgerichts - Mannheim. Das Gericht bietet auch einen Vergleich der Insolvenzzahlen zwischen 2008 und 2009 (pdf):
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