06.12.2010

Branchenregister: kostenfrei für 1.011,- Euro p.a.

Ein Mandant schickt mir heute ein Formular mit der Überschrift "Fachregister Wirtschaft und Unternehmen" zu.
  • Betreff: Unternehmensklassifizierung
  • Bezug: Datenkontrolle/Bestätigung der Gültigkeit.
Hmm, hört sich doch gar nicht so schlimm an. Sieht auch sehr behördlich aus, das Umweltpapier, das Aktenzeichen, das an einen Bußgeldbescheid erinnert, auch der letzte Satz "Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und trägt somit keine Unterschrift" kennt man doch - vom Finanzamt, zum Beispiel.

Und schon im zweiten Satz des Schreibens steht es doch schwarz auf weiß grau: "Ihre Grunddaten werden kostenfrei veröffentlicht." Also keiner dieser übl(ich)en Abzocker, der Geld will für einen Eintrag in einer nicht sonderlich bekannten Datenbank.

Oder doch? Denn keine zwei Zeilen weiter wird man schon ein wenig unter Druck gesetzt: "Sollte eine rechtzeitige Gültigkeitsbestätigung ausbleiben, könnten Ihre Daten beim nächsten Kontrolllauf gestrichen werden." Oha, Eile ist also angebracht. Obwohl, hmmm, ganz oben links ist doch auch noch so ein komischer Kasten, der mit "Letzte Datenkontrolle" überschrieben ist. Da ist hervorgehoben die 5 und die 2009. Sieht so aus, als wäre die letzte Datenkontrolle vor mehr als anderthalb Jahren geschehen. Also so eilig kann es dann wohl doch nicht sein.

Ah, irgendwo in der Mitte des Textes steht auch, wie das Branchenregister eigentlich heißt. Nein, nicht etwa "www.fachregister-wirtschaft-und-unternehmen.de", wie man vielleicht denken könnte. Hier steht etwas von der Domain "registerwu.de". Komischer Name, das. Klingt irgendwie - chinesisch.

Nein, nicht chinesisch, wie ein Blick in die am unteren Rand des Briefes abgedruckte Adresszeile verrät. Wohl eher portugiesisch, denn der Brief stammt von der United Lda, Av. Joao Crisostomo 38 aus Lissabon. 

"registerwu" soll aber wahrscheinlich heißen "Register Wirtschaft Unternehmen". Da muss man aber erst draufkommen.

Dann steht da noch einmal kostenlos, nämlich, dass man "eventuell falsche oder unvollständige Angaben Ihrer bestehenden, beiliegend aufgeführten Unternehmensdaten" kostenlos im Internet korrigieren könne.

Und dann wird´s doch noch kostenpflichtig - für denjenigen, der sich so weit durch den Brief vorgearbeitet hat. "Sollten Sie die Veröffentlichung von ergänzenden Informationen wünschen, benutzen Sie bitte das beigefügte Formular für einen kostenpflichtigen Auftrag."

Wie kostenpflichtig der Auftrag dann wird, erkennt man auch auf dem eigentlichen Formular nicht so richtig, ach, doch, da unten, in dem 14-zeiligen in kleiner Schrifttype gesetzten Fließtext steht auf Zeile 8 tatsächlich eine - sogar fett gedruckte - Zahl. 1011 - so steht es da. Nicht etwa 1.011,00 oder 1.011,-. Nicht mit einem verräterischen €-Zeichen, sondern mit einem vorangestellten (nicht fett gedruckten) "Euro". Dafür noch mit einem folgenschweren "p.a. exkl. MwSt." versehen.

Denn wer dem Formular noch irgendwelche Änderungen hinzufügt, der soll dann dafür büßen - nicht nur ein, nicht nur zwei, nein: drei Jahre lang. Dieser Preis gehört eigentlich groß, fett und unübersehbar auf das Formular. So etwa:
3.033 €
 Wow, das hat sich gewaschen!

Mein Mandant hat sich übrigens nicht darauf eingelassen und das Formular nicht zurückgeschickt. Er steht übrigens auch nicht in dem Register. Entweder er stand nie drin oder die "letzte Datenkontrolle" hat ihn erwischt.

Was ich von solcherlei Angeboten halte, können Sie sich denken:
  • Fallen Sie nicht auf dieses Angebot herein
  • Wenn Sie schon unterschrieben haben: Widerrufen, kündigen, fechten Sie an.
  • Und: Zahlen Sie nicht.

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