Nein, da scheint keine Weihnachtsstimmung aufkommen zu wollen bei der Firma GWE Wirtschaftsinformations GmbH, die das "Branchenbuchverzeichnis" gewerbeauskunft-zentrale.de betreibt.
Da gibt es Schreiben vom 13.12.2010, in denen die betroffenen (Klein)Gewerbetreibenden aufgefordert werden, Zahlungen zu leisten für eine Eintragung in das meines Erachtens wertlose Register. Als Kontoverbindung wird da noch die Allianz Bank genannt mit der BLZ 70035000 und der Konto-Nr. 9539286600.
Kurze Zeit darauf - etwa mit Datum vom 20.12.2010 - werden Briefe versandt, über denen groß "Fehlerhafter Überweisungsträger" steht. Und der Text "leider wurde Ihnen beim Rechnungsversand ein fehlerhafter Überweisungsträger zugesandt. Falls Sie den beigelegten Überweisungsträger genutzt haben, könnte es vorgekommen sein, dass Ihre Anweisung zurück gebucht worden ist." Als neuer Zahlungsempfänger wird nunmehr die GWE GmbH Gewerbeauskunft-Zentrale, Hypo Vereinsbank, BLZ: 302 201 90, Kto.: 609 873 213 genannt.
Soso, fehlerhafte Überweisungsträger. Wie kann das denn sein? Es handelt sich ja nicht um einen Zahlendreher, außerdem wird diese Bankverbindung ja schon lange genutzt.
Ich habe mir den Spaß gemacht, mal bei der Allianz Bank anzurufen. Hier wurde ich mit der Abteilung "Compliance und Geldwäsche" verbunden. Dort wurde mir bestätigt, dass das Konto nicht mehr gilt und dass weitere Auskünfte nur über die Staatsanwaltschaft gegeben würden.
So einfach, denke ich jedenfalls, wechselt man nicht die Bank. Das macht Aufwand, und den spart man sich natürlich gerne. Außerdem kann ich an einen geplanten Wechsel der Kontoverbindung nicht recht glauben, da dann doch zum Stichtag des Wechsels hin auch schon das Briefpapier angepasst worden wäre. An einen Zufall glaube ich da also nicht. Vielleicht hat der stete Tropfen der Kundenbeschwerden doch den Stein der Bankverbindung?
Und noch etwas tut sich: In mir vorliegenden Schreiben hat sich in letzter Zeit immer Rechtsanwalt Nordmann für die GWE Wirtschaftsinformations GmbH gemeldet. Jetzt legt mir eine Mandantin ein Schreiben der Kanzlei für Wirtschaftsrecht vor, die am 15.12.2010 versucht, Geld für die Firma einzutreiben, nur um dann mit Schreiben vom 23.12.2010 durch Rechtsanwältin Funda Yildiz mitzuteilen: "in vorstehender Angelegenheit zeige ich an, dass ich das Mandat niedergelegt habe."
Sie sehen: Es bleibt spannend.
Sie sehen auch: Es lohnt sich zu kämpfen. Zahlen Sie also nicht, lösen Sie sich aus allen rechtlichen Gründen vom (vermeintlichen) Vertrag und lassen Sie sich gegebenenfalls anwaltlich beraten.
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28.12.2010
Keine Weihnachtsstimmung bei Branchenbuchabzockern - oder: Aus Allianz mach Hypo
von
Rechtsanwalt Sebastian Dosch
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