22.03.2011

Wenn Tränen lügen: Gegendarstellungsanspruch!

Zum Thema "Wenn Bilder lügen: Gegendarstellungsanspruch?" hatte ich schon geschrieben. Hier versuchte ein Prominenter vergeblich, sich gegen eine Fotomontage in der Zeitschrift "neue woche" zu wehren.

In einem Parallelverfahren ebenfalls vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe ebenfalls gegen die Zeitschrift "neue woche" wurde jetzt entschieden, dass ein Prominenter eine Gegendarstellung verlangen darf, wenn Tränen lügen wenn behauptet wird, er sei "zu Tränen gerührt" gewesen.
Bei der Fotomontage desselben Prominenten neben seine Frau im oben genannten Verfahren hatte das Gericht gesagt, man könne sich dagegen wehren, was mit dem Bild gesagt werden soll, welche Tatsache dargestellt werden soll. Es genüge jedoch nicht, sich dagegen zu wehren, dass das Bild eine Fotomontage darstellt.
Im jetzigen Verfahren ging es um die im Heft über den Promi verbreitete Behauptung "Sicherlich war er auch zu Tränen gerührt, als er vom Schicksal sozial benachteiligter Kinder in seinem Wohnort Potsdam hörte." Und dies sei die Behauptung einer äußerlich wahrnehmbaren Tatsache, so das Gericht. Und fast schon poetisch geht es weiter:
"Wenn jemand zu «"Tränen gerührt" sei, besage dies mehr als eine tiefgreifende emotionale Affektion, die ganz im Innern des Betroffenen bleibe. Ein sicher beträchtlicher Teil des Publikums verbinde mit dieser Formulierung das Bild eines Menschen, der nicht nur beinahe, sondern der auch tatsächlich geweint habe. Zumindest werde erwartet und vorausgesetzt, dass die betroffene Person jedenfalls ganz kurz vor dem Ausbruch der Tränen sei und dass dies auch spürbar, wenn nicht sogar sichtbar sei, die Stimme einer solchen Person werde unsicher, ihre Augen seien gerötet und feucht und vielleicht trete, obwohl die Person gegen die Emotion ankämpfe, die eine oder andere vereinzelte Träne doch schon hervor. Es handele sich also um körperliche Vorgänge, die nicht im Inneren des Menschen verblieben, sondern ohne Weiteres im Wege einer Beweisaufnahme einer Feststellung zugeführt werden könnten."
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