05.05.2011

Wortspiele werden aber auch immer teurer...

Woran denken Sie bei diesem Wort?
Prostitunes

Also, ich musste zuerst an das englische Wort "prostitute" (Prostituierte) denken, dann an "tunes" (engl. für Melodie, Lied). Jedenfalls macht es neugierig auf das, was dahinter steht - vielleicht eine neue Band aus Straßenmädchen, Lieder für das horizontale Gewerbe, vielleicht auch einfach nur Leute, die für Geld Musik machen?

Prostitunes. Eine gewisse Firma aus Cupertino dachte bei diesem Wort aber zuerst an "iTunes". Und mahnten den Studenten ab, der sich den Namen für seine Idee ("Wir verkaufen uns für die Musik") als Marke schützen lassen wollte. Die Ähnlichkeit des Begriffs zu ihrer eingetragenen Marke sei zu groß.

Der Student, Martin Stappen aus Viersen, hat das Problem, das er mit den meisten Studenten (und auch vielen anderen) teilt: zu wenig Geld, um einen Rechtsstreit zu riskieren. Also gab er klein bei. Die Marke wird wieder gelöscht, seine Internetseite stillgelegt, Werbemittel vernichtet.

Es wäre durchaus spannend gewesen, diesen Rechtsstreit zu führen. Gerade wenn Worte oder auch Wortneuschöpfungen im Raum stehen, bei denen die Nutzung der verletzten Marke (in meinen Augen hier auch klanglich*) nicht im Vordergrund steht, kann die Entscheidung durchaus zugunsten der neuen Marke ausgehen. In einem Fall, den ich begleiten durfte, stand das Wort "Custombike" (für eine bestimmte Art Motorräder - zusammengesetzt aus "custom" und "bike") gegen die Modemarke "Custo Barcelona" in Frage. Das Gericht sah hier letztlich keine Markenrechte verletzt.

Dennoch zeigt auch dieser Fall, dass es sinnvoll ist, sich über den Namen des eigenen Unternehmens im Vorhinein (!) Gedanken zu machen und auch eventuell durch einen Anwalt überprüfen zu lassen. Ich stehe Ihnen gerne hierfür zur Verfügung.

Links:
  • Bericht "Geplatzte Partyträume" bei RP Online
  • derzeit noch online: prostitunes.de
  • Markeneintragung für Prostitunes, wobei der derzeitige Stand des Widerspruchsverfahrens mit "Widerspruch zurückgenommen/nicht mehr bestehend" angegeben wird.

*Ich sage jedenfalls "EiTiuhns", wenn ich das Apple-Produkt meine, und würde das andere Wort eher "ProstihTiuhns" - also ohne "ei" - aussprechen. Was meinen Sie?

1 Kommentare:

  1. ich finds ziemlich mies, dass sich solch große Marken immer wieder auf solch kleine Leute stürzen. ITunes war nun auch überhaupt gar keine meiner Assoziationen.

    Vgl. auch Jack WOlFSKINs Reaktion auf Dawanda-Produkte-Hersteller, die die Pfote ihrer eigenen Katze als Bild zum eigenen Markennamen setzten.

    Gruß, Jenny.

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