03.06.2011

Aaargh!

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern hatte eine gute Idee: Ein Spiel für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 12 Jahren, um auf die Risiken bei der Anmeldung zu sozialen Netzwerken aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit der Hochschule Wismar wurde also das Computerspiel "Netzwerk-Star" entwickelt.


Neugierig wollte ich das mal ausprobieren. Das Design machte mich schon mal nicht so an, sieht ein bisschen nach 1998 aus, aber das ist ja Geschmacksache. Auf der ersten Seite werde ich dann darüber aufgeklärt, dass es sich bei dem Spiel wohl um ein Quiz handelt. Ich kann "Netzwerkstar" werden, wenn ich die Fragen richtig (oder "gut"?) beantworte. Etwas textlastig, aber okay. Also los. Ich klicke auf "Weiter".

Die ersten Frage. Oder auch nicht?
"Ich entscheide, wer ich bin." 
steht oben. Darunter links ein Mädchen, rechts ein Junge. Dazwischen Sterne. Soll ich jetzt mit Sternen bewerten, ob ich die Aussage "Ich entscheide, wer ich bin", gut oder schlecht finde? Hmmm, nein, die Sterne kann ich nicht beeinflussen. Aber über den beiden Figuren sind noch zwei Buttons. Aha, die kann man also anklicken. Langsam geht es mir auf, dass die Macher des Spieles meine Entscheidung wollen, welches Geschlecht ich denn haben will. Ich entscheide mich mal für die wahrheitsgemäße Angabe und klicke auf "Weiter". 

Offenbar habe ich das dann wohl richtig verstanden, denn jetzt kommt wirklich die erste Frage. Zumindest steht oben
"1. Was für einen Namen gebe ich an?" 
Darunter dann Antwort-Kästchen. Wenn ich mit der Maus darüber fahre, werden auch noch Erläuterungen angezeigt. Eine Antwort lautet
"Ich gebe mir einen Nick-Namen oder Fantasie-Namen, zum Beispiel 'Bob Schwammkopf'" 
Das missfällt mir irgendwie, ist "Spongebob Schwammkopf" doch eine Marke. Aber gut, probiere ich doch einmal diese Antwort aus.

Die nächste Frage handelt vom Passwort. Aber die dritte hat es in sich. Genauer gesagt, eine der Antworten. Gefragt wird:
"Was nehme ich denn als Foto für mein Profil?"
Und eine Antwort hierzu führte dann dazu, dass ich das Spiel nicht weiter spielte und auch nicht wirklich weiter empfehlen möchte: "Ich nehme ein Bild von meiner Lieblingsfigur, z.B. Sponge Bob", steht da. Und als Informationstext steht dann wortwörtlich:
"Ein Bild von einer Comic- oder Manga-Figur ist eine gute Idee. Nimm vielleicht sogar ein selbst gemaltes."
(Hervorhebung von mir)
Hm, das alles mag datenschutzrechtlich ja in Ordnung sein. Aber hat da auch mal jemand an das Urheberrecht gedacht? Dass die Bilder von Comic- oder Manga-Helden - wie beispielsweise Spongebob - urheberrechtlich geschützt sind, dürfte außer Frage stehen. Wer ein solches Bild dann bei facebook, twitter, wer-kennt-wen, schueler-vz usw. einsetzt, riskiert, abgemahnt zu werden. Und das kann durchaus teuer werden. Das Ganze ist schon vor ein paar Monaten durch die Presse gegangen, als Facebook dazu aufrief, das Profilbild durch ein Bild der "Helden unserer Kindheit" zu ersetzen.

Also, ein wenig weiter als bis zum eigenen Horizont sollte man bei einem solchen öffentlich geförderten Projekt doch denken können, finde ich.

******
Update 08.06.2011

Ein Projektmitarbeiter hat sich bei mir per E-Mail gemeldet und Folgendes mitgeteilt:
"Die Sache mit SpongeBob und der unkonkreten Empfehlung zu Comic-Bildern haben wir nach einem freundlichen Hinweis eines Ihrer Berufskollegen zwischenzeitlich geändert. Eine neue Version des Spiels ist bereits veröffentlicht."
******

Okay, ich habe dann doch weiter gespielt. Später wird dann noch die Frage gestellt, ob man ungefragt die Bilder der Freunde ins Netz stellen darf. Damit ist klar, dass zumindest das Kunsturheberrechtsgesetz den Datenschützern nicht ganz unbekannt sein dürfte...

Am Ende wird dann eine Auswertung angeboten, die aber meines Erachtens auch noch einmal überarbeitet werden sollte: Auf die Frage, welches Foto ich für mein Profil wählen würde, hatte ich geantwortet, dass ich natürlich ein Foto von mir nehme. Das wurde als Fehler gewertet, und als Erläuterung steht dann da:
"Als Profilbild (Avatar) hast du ein Bild von dir gewählt. Damit bist du für jeden sofort erkennbar, auch für Leute, die du nicht kennst, aber die dich kennen. Auch solltest du das Bild mit Bedacht auswählen. Es kann nämlich sein, dass nicht nur Kinder und Jugendliche in dem Netzwerk surfen."
Vielen dürfte klar sein, dass sie mit dem Einstellen des eigenen Fotos ins Internet natürlich auch einen Teil ihrer Privatsphäre aufgeben. Und wenn Kinder das tun, könnten so auch die Begehrlichkeiten beispielsweise von Pädophilen geweckt werden.

Kinder haben diese Einsicht aber noch nicht unbedingt - denn sonst wäre das Spiel "Netzwerk-Star" ja auch gar nicht nötig. Die Erläuterung, warum ich mein eigenes Foto nicht als Profilbild verwenden soll, erscheint mir in dieser Hinsicht ein wenig dürftig.

Denn welche Gefahren von Menschen ausgehen "die du nicht kennst, aber die dich kennen" oder solchen, die nicht "Kinder und Jugendliche" sind, das wird leider verschwiegen.

Alles in allem ist das Ganze für mich eher unbefriedigend. Meine eigenen Kinder werde ich jedenfalls lieber selbst aufklären, als dies dem Netzwerkstar zu überlassen...

Links zum Thema:
  • Das Spiel "Netzwerk-Star"
  • Pressemeldung des Landesbeauftragten für den Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern (pdf)

Wenn Sie eine Frage zum Artikel haben...

...stellen Sie sie mir doch einfach:

Sebastian Dosch

Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht

Fon: 06221 8713-400

E-Mail: kanzlei@dosch-digital.de
Skype: kLAWtext

3 Kommentare:

  1. http://fanfarenkorps-hannover.de/pic/chat01.jpg

    AntwortenLöschen
  2. Alles in allem ist das Ganze für mich eher unbefriedigend. Meine eigenen Kinder werde ich jedenfalls lieber selbst aufklären, als dies dem Netzwerkstar zu überlassen...

    so sehe ich das auch ;-)

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über Ihre Kommentare. Bitte halten Sie sich aber an die Netiquette - keine Beleidigungen, keine Beschimpfungen, keine rassistischen, sexistischen oder sonstwie diskriminierenden Äußerungen, bitte. Ich behalte mir vor, Kommentare zu kürzen oder zu löschen und weise darauf hin, dass die in Kommentaren geäußerten Ansichten nicht unbedingt meinen entsprechen.