14.07.2011

Ein paar Gedanken zu elektronischen Medien

Juristisches Seminar in Heidelberg.

Alles fing für mich damit an, dass die auf Karteikärtchen geschriebenen Buchbestände eines Tages in einem Computer erfasst wurden. Man konnte nun von vielen Stellen in der Bibliothek aus - nämlich von überall, wo ein vernetzter Computer stand - nach Buchsignaturen suchen. Man musste nicht mehr den Weg in das verstaubte Register einschlagen, sondern konnte durch intelligente Suchabfragen manchmal sogar mehr finden, als man ursprünglich gesucht hatte.

Eine Revolution!

Die Karteikärtchen wurden noch eine Weile lang parallel zum digitalen Katalog gepflegt, bis schließlich klar geworden war, dass der digitale Weg einfach zu viele Vorteile hatte. Der Raum, in dem man vorher die Karteikärtchen finden konnte, wurde mit Bücherschränken und Büchern aufgefüllt. Die Aera des Papier-Katalogs war beendet. Mancher weinte dem eine Träne nach - vor allen Dingen diejenigen, die nicht so gerne einen Computer benutzten.

Dann kam das Internet, und jetzt konnte man vom juristischen Seminar aus auch gleich in der Heidelberger Unibibliothek nachschauen, ob es dort das gesuchte Buch gab. Oder man schaute in Mannheim, Frankfurt oder New York nach. Fernleihe, Kopierdienste - man konnte heute einen Auftrag geben und hatte schon drei bis vier Tage später Post: der kopierte Artikel aus München, das Buch aus Frankfurt konnte nun gelesen werden.

Mann, ging das schnell!

Heute geht es noch schneller. Ein Glück. Ich muss nicht mehr vor einem leeren Bücherregal stehen, weil das Exemplar gerade mal wieder ausgeliehen oder (was Juristen und andere Akademiker ja gerne tun:) versteckt wurde. Denn ich kann online auf das Buch, auf die Zeitschrift zugreifen. Und gleichzeitig können noch hundert weitere Kollegen denselben Text lesen, können ihre eigenen Anmerkungen und Anstreichungen machen, ohne dass mich das stört - denn nur sie selbst sehen diese Markierungen. Und wenn das eine Buch auf den anderen Artikel, der eine Artikel auf das andere Buch referenzieren - kein Problem: Ein Klick, und ich kann auch diesen Verweis prüfen (was dem ein oder anderen Ex-Doktor ja nun zum Verhängnis wird).

Ich klinge wie jemand, der keine Bücher mehr zu Hause stehen hat? Weit gefehlt! Ich liebe Bücher und ich hoffe, es wird immer welche geben. Denn es ist etwas anderes, ob man am Bildschirm liest oder in einem Buch blättert.

Allein das taktische Erlebnis ist ein ganz anderes: Habe ich die Seite jetzt schon mal gelesen oder nicht? Das kann ich bei einem Buch viel eher sagen als bei einem Bildschirmtext. Das liegt schon allein daran, dass dieser Bildschirmtext nicht mehr an ein festes Format gebunden ist. Kann ich mir in einem Buch merken, dass eine Information auf der rechten Seite oben zu finden war, direkt über einer Zwischenüberschrift (oder dort, wo ein leichter Knick im Papier war), so fehlt mir diese Information am Bildschirm. Gleiches gilt für die Beschaffenheit des Papiers, den Geruch, die Farbe des Buchumschlags und und und. Es hört sich vielleicht komisch an, aber für mich jedenfalls macht all dies einen Unterschied aus.

Aber...

Dennoch denke ich, dass insbesondere Fachbücher online eine größere Zukunft haben werden als in Papierform. Die Verlinkungen, die gleichzeitige Verfügbarkeit an vielen Orten, die Möglichkeiten der Suche weit jenseits eines (häufig auch noch mangelhaft geführten) Indexes am Ende des gedruckten Exemplars. Das alles sind die wesentlichen Vorteile des computergestützten Lesens.

Anders sehe ich das bei Büchern, die ich nicht beruflich nutze. So wenig, wie ich mir vorstellen kann, dass ich meinen Kindern aus dem iPad vorlese, so wenig möchte ich selbst auf dem Balkon einen Bildschirm vor mir haben. Ich möchte mein Lieblingsbuch in der Hand halten, darin blättern, bei einer Pause ein Lesezeichen hineinlegen, auch wenn es eigentlich wie gemacht für ein elektronisches Buch ist, da es von einem elektronischen Buch handelt.

Ich denke, viele können sich jetzt denken, von welchem Buch ich hier rede...


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Sebastian Dosch

Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht

Fon: 06221 8713-400

E-Mail: kanzlei@dosch-digital.de
Skype: kLAWtext

1 Kommentare:

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